Was ist nur aus "meiner" Polizei geworden?


Videobeweise erweisen sich immer stärker als wirksames Mittel gegen die Vertuschung von polizeilichem Fehlverhalten


Einer aktuellen [extern] Ipsos-Studie nach misstrauen die Deutschen derzeit am meisten der Regierung, den Banken und den Kirchen. Relativ großes Vertrauen genießt dagegen die Polizei. Dass übermäßiges Vertrauen in letztere Institution allerdings unberechtigt sein könnte, zeigte unlängst ein Bericht von [local] Amnesty International, der den staatlichen und gerichtlichen Umgang mit Behörden-Omerta und Polizisten-Falschaussagen scharf kritisiert. Nun wurden weitere Neuigkeiten zu zwei Fällen von Polizeigewalt bekannt. In beiden spielen Videos eine entscheidende Rolle.


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Ich bin betrübt. Über diese Vertuschungen und den anscheinend falsch verstandenen Korpsgeist.


Entschuldigungen dafür möchte ich nicht suchen, nicht nur, weil es wohl keine gibt, sondern weil ein altgedienter Polizist SO, wie diese Kollegen NICHT handeln würde. In der Polizei finden sich fast alle Bevölkerungsschichten wieder. Leider gibt es – ich hoffe, immer noch vereinzelt – Polizeibeamte, die durch das Uniformtragen zu einem anderen Menschen werden und mit der damit einhergehenden Macht(befugnis) nicht umgehen können. Sie mißbrauchen diese Macht und wenn ihr Kollege oder Vorgesetzter ihnen nicht unmißverständlich klarmacht, daß dies nicht geht – und zwar niemals – besteht die Gefahr, daß sich dieser Machtmißbrauch steigert und – das wäre fatal – andere ebenso werden, weil sie sehen, daß keine Reaktion erfolgt.


Wehret den Anfängen.


Es mag sein, daß ich in einem „Biotop“ lebe und nicht (mehr) weiß, wie die heutigen Polizisten „drauf“ sind, aber bisher habe ich keinen Kollegen getroffen, der dieser willkürlichen Gewalt zugestimmt hat oder sie in anderer Form gut fand.


Die meisten von uns sind doch zur Polizei gegangen, um mit dafür zu sorgen, daß die Welt zumindest einigermaßen gerecht bleibt und vielleicht sogar ein bißchen gerechter wird. Das war jedenfalls früher so. (Ich bin seit 1973 Polizist)


Hat sich das verändert? Ich glaube es nicht. Denn dann wären viel mehr solcher Vorfälle zu verzeichnen. Darum bin ich sicher, daß diese Kollegen, die sich gegenseitig trotz besseren Wissens schützen, in ihrem Bereich geächtet und mehr oder weniger ausgegrenzt werden.


Ein wirklicher „Schutzmann“ will mit solchen Kollegen eigentlich nichts zu tun haben und schämt sich stellvertretend für sie. Diese Kollegen tun damit auch den ehrlichen Kollegen etwas an und das finde ich ziemlich schlimm und auch irgendwie mies. Die Betroffenheit meiner Kollegen spricht Bände.


Also schert uns nicht alle über einen Kamm.


Mißtrauen gegen alle Polizisten ist wirklich nicht berechtigt und da muß ich dem oben zitierten Artikel ausdrücklich widersprechen, was den Zweifel am Vertrauen zur Polizei angeht.


Ich finde, DU solltest einfach mal „Deine“ Polizisten auf diese Vorfälle ansprechen und selbst sehen, was die Kollegen dazu sagen. Man trifft uns ja schließlich nicht nur auf Demos, mit Kampfanzug und Schlagstock in der Hand 😉


Was die Erkennbarkeit bei Einsätzen angeht – von wegen Namensschild oder Kennnr. – da habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu, denn es gibt auch Bürger, die wissentlich falsche Beschuldigungen erheben, aus welchen Gründen auch immer. Manchmal auch nur, um dem „Staat“ Ärger zu machen. Da könnte doch die Polizei durch Dokumentation (Film) einen vielleicht noch besseren Beitrag leisten, als bisher. Das ist allerdings eine Frage des Personals (welches immer weniger wird).


Ist nun ein Kollege beschuldigt worden und eine Beförderung stünde an, wird diese ausgesetzt, bis der Fall geklärt ist und andere werden befördert. Wenn nun nichts dran war und keine neuen Beförderungen in Sicht sind (das ist inzwischen die Regel, nicht die Ausnahme), war es das. Wer bezahlt dem Kollegen das? Wer erklärt seinen Kindern, daß es nun doch nichts mit dem Urlaub oder dem Zoo wird, weil der Papa nicht befördert wurde? Der Verdienstausfall kann hier Jahre betragen, weil die Beförderungen nur tröpfeln.


Würdest Du Dich, wenn Du Polizist wärest, unter diesen Umständen mit einem Namensschild einverstanden erklären?


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